Geschichte(n) für alle

Der Text ist in einfacher Sprache geschrieben. Das ist besonders wichtig für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Menschen die Deutsch lernen.

Friedrich Boscovitz-Trausner wurde 1888 in Wien geboren und 1940 in Hartheim in Oberösterreich ermordet. Er besuchte die Schule in Kremsmünster und studiere später an der Universität Wien. Ab 1911 lebte er zusammen mit seiner Mutter in Scharnstein. Hier im Dorf, haben schon viele Menschen Informationen über ihn gesammelt. An seinem alten Haus wurde eine Gedenktafel angebracht. Dort ist heute der Kindergarten.

Woran erinnert die Tafel? Die National-Sozialisten mit Adolf Hitler kamen im Jahr 1938 in Österreich an die Macht. Sie verfolgten und töteten Menschen, auch jene, die eine Behinderung oder eine psychische Krankheit hatten oder von denen das behauptet wurde. Friedrich Boscovitz-Trausner war einer davon. Viele verschiedene Personen waren an diesen Morden beteiligt oder wussten davon. Zum Beispiel Ärzte, Pflege-Personal, Küchen-Personal und andere Berufe, aber auch die Menschen, die in der Nähe der Tötungs-Anstalt in Hartheim wohnten.

Friedrich Boscovitz-Trausner erhielt als junger Mann die Diagnose, er leide an „jugendlichem Irrsinn“. Eine Diagnose ist die Feststellung einer Krankheit durch einen Arzt. Aber was „jugendlicher Irrsinn“ genau bedeutet, war damals sehr unklar und ist es auch heute. In seiner Krankenakte und anderen Dokumenten wird berichtet, dass er manchmal Stimmen hörte und sich verfolgt fühlte. Das machte ihn teilweise unruhig. Er sprach mit sich selbst und manchmal reagierte er wütend, wenn ihn jemand störte oder auslachte. 

Einige Personen wollten, dass er aus seinem Haus in Scharnstein auszieht. Ein Vertrag zwischen seiner Mutter und der Gemeinde sollte sicherstellen, dass er gut verpflegt wird und die Gemeinde dafür später, nach seinem natürlichen Tod, sein Vermögen bekommt. Nach dem Tod seiner Mutter musste er aber 1932 in eine Krankenanstalt nahe Linz. Er wollte dort nicht sein. Er wollte zuhause in Scharnstein sein und schrieb Briefe in denen er um Hilfe bat.

Friedrich Boscovitz-Trausner durfte nicht mitreden, was mit seinem Haus passiert. Er kam nicht mehr nach Hause, denn er wurde in der Gaskammer in Hartheim getötet. Die Gemeinde hatte sich das Haus genommen und hatte keinerlei Kosten für ihn. Das kann man in einem Bericht des kirchlichen Vereins nachlesen, der sein Haus kurzfristig als Erholungsheim gemietet hatte. Im Jahr 1939 begann dann die Gemeinde mit dem Umbau der „Boscovitz-Villa“ in eine Schule.

Wir haben den Verein „Geschichte(n) für Alle“ gegründet und arbeiten zusammen mit Menschen aus Scharnstein, Bad Ischl und Unterach am Attersee am Projekt „Damals?“. Wir wollen über den National-Sozialismus sprechen und Fragen stellen. Wir sind ein Teil der Veranstaltungen der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024.

Wir organisieren am 29. Juni 2024 eine Fahrt von Scharnstein (und von Bad Ischl und Unterach am Attersee) nach Hartheim. Dort, wo Friedrich Boscovitz-Trausner ermordet wurde, befindet sich heute eine Gedenkstätte: der Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim. Wir werden an diesem Tag mehr über ihn und andere Menschen erfahren, die dort gestorben sind, aber auch über jene, die dort gearbeitet oder in der Nähe gewohnt haben.

Wenn du mitkommen möchtest, melde dich bitte an (Informationen siehe Kästchen).

 

Fahrt zum Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim

Samstag, 29. Juni 2024

9:30 Treffpunkt beim Kindergarten Scharnstein (Hauptstraße 43, 4644 Scharnstein)
Hier sprechen wir über Verbindungen zwischen Scharnstein und Hartheim.

und/oder

13:30-15:30 Rundgang und Gespräch in Hartheim (Schlossstraße1, 4072 Alkoven)
Austausch mit anderen Teilnehmenden aus Bad Ischl und Unterach am Attersee.

Anreise nach Hartheim mit Fahrgemeinschaft nach Voranmeldung möglich.

Weitere Informationen www.gfa.or.at/termine

Voranmeldungen bitte an gfa(at)servus.at



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